Mit diesem Blogartikel möchte ich eine kleine Serie zur diesjährigen Fußball-Europameisterschaft der Frauen starten. Offiziell trägt das Turnier den Namen UEFA Women’s Euro 2025 und findet vom 2. bis 27. Juli 2025 in der Schweiz statt. Im ersten Beitrag dieser Reihe möchte ich euch die Spielstätten des Turniers vorstellen.
Basel: St. Jakob-Park – das größte Stadion der Schweiz

Mit seinen 38.512 Plätzen ist der St. Jakob-Park in Basel das größte Stadion der Schweiz und damit der unbestrittene Hauptschauplatz der EM. Im Vergleich zu deutschen Stadien ist das freilich wenig. Zum Vergleich: In den Signal Iduna Park in Dortmund passen mehr als 81.000 Menschen, in die Allianz Arena in München 75.000. Allerdings ist es deutlich mehr als die rund 15.000 Fans, die jeweils in Kiel und Heidenheim Platz finden.
Der St. Jakob-Park ist Heimstätte des FC Basel, der in diesem Jahr nach acht Jahren erstmals wieder die Schweizer Meisterschaft feiern durfte. Entworfen wurde das Stadion von den Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron. Der Bau kostete 250 Millionen Schweizer Franken und es handelt sich um das erste multifunktionelle Stadion der Schweiz. Durch das Konzept der Mantelnutzung schufen die Architekten nicht nur ein reines Fußballstadion, sondern eine komplette urbane Struktur. Diese deckt mehrere Lebensbereiche ab, so beheimatet der Bau u.a. ein Shoppingcenter, ein Manor-Warenhaus, Dienstleistungsbetriebe, Restaurants und sogar ein Seniorenheim. Welcher Fußballfan träumt nicht davon, seinen Lebensabend im Stadion des eigenen Vereins verbringen zu dürfen? Von der Seniorenresidenz aus kann man alle Spiele live verfolgen.
Es hat eine Fassade aus Ethylen-Tetrafluorethylen, kurz ETFE, die das Stadion bei Nacht in spektakulären farbigen Lichtinstallationen erstrahlen lässt. Es ist das einzige Schweizer Stadion der UEFA-Kategorie-4 und wird Austragungsort des Eröffnungsspiels zwischen Gastgeber Schweiz und Norwegen am 2. Juli sein. Auch das Finale am 27. Juli wird hier stattfinden. Das liebevoll „Joggeli“ genannte Stadion war bereits bei der Europameisterschaft der Männer im Jahr 2008 im Einsatz und beheimatet außerdem 32 integrierte Geschäften und zwei Restaurants.
Bern: Stadion Wankdorf – auf geschichtsträchtigem Boden
Das Stadion Wankdorf in Bern (31.500 Plätze) steht auf historischem Boden: An gleicher Stelle fand 1954 das „Wunder von Bern“ statt, als die deutsche Nationallmanschaft Ungarn im WM-Finale besiegte. Das Stadion von damals wich 2005 allerdings einem Neubau, der wie im St. Jakob Park in Basel verschiedene Nutzungskonzepte vereint. Auch hier gibt es im Stadion ein ganzes Einkaufszentrum und sogar eine Schule. Auch der Nachhaltigkeit wurde Rechnung getragen und auf dem Stadiondach ein Solarkraftwerk installiert. Während der EM finden hier drei Gruppenspiele der hochkarätigen Gruppe B (u.a. Spanien gegen Portugal) und ein Viertelfinale statt. Witzige Anekdote: 2006 stellte Schiedsrichter Martin Salm fest, dass der Strafstoßpunkt nicht bei 11, sondern bei 10 Metern aufgezeichnet war. Es war das sechste im Stadion ausgetragene Spiel. In den fünf Spielen zuvor ist das nicht aufgefallen.
Genf: Stade de Genève – Internationales Flair am Genfersee
Mit Blick auf die Alpen und den Genfersee bietet das Stade de Genève (30.084 Plätze) die vielleicht malerischste Kulisse des Turniers. Die 2003 eröffnete Arena ist Heimstätte des Servette FC und überzeugt durch ihre schlanke Architektur und 27 VIP-Logen. Die sind vermutlich auch nötig, denn Genf ist nach Monaco die Stadt mit der weltweit zweithöchsten Millionärsdichte. 18,6 Prozent der gut 200.000 Einwohner sind Millionäre! (in US-Dollar gerechnet).
Hier finden fünf Spiele statt, darunter eines der beiden Halbfinals. Bemerkenswert: Die Schweiz gewann in diesem Stadion 2022 gegen Portugal in der Nations League.
Zürich: Stadion Letzigrund – Heimat zweier Proficlubs
Das Stadion Letzigrund in Zürich ist mit seinen 26.000 Plätzen Heimstadion von gleich zwei Proficlubs: Sowohl der FC Zürich wie auch die Grasshoppers tragen in der Arena ihre Heimspiele aus. Im Stadion findet außerdem jährlich Weltklasse Zürich statt – eines der renommiertesten Leichtathletik-Meetings weltweit im Rahmen der Diamond League. Das ursprüngliche Letzigrund-Stadion wurde von Angehörigen des FC Zürich errichtet, 1925 eingeweiht und im Jahr 2006 abgerissen. Der Neubau, der am 30. August 2007 eröffnet wurde, diente während der Fußball-Europameisterschaft 2008 als Austragungsort für drei Gruppenspiele. Der Name „Letzigrund“ für das Zürcher Stadion leitet sich von der historischen Landschaft ab, in der das Stadion liegt. Das Gebiet rund um das Stadion wurde im Mittelalter von einer sogenannten „Letzi“ durchzogen. Die Letzi war eine Verteidigungsanlage, vergleichbar mit einem Wall oder einer Schanze.
Während der Frauen-Europameisterschaft werden hier drei Gruppenspiele, ein Viertelfinale und ein Halbfinale stattfinden. Ein Highlight: Das Duell zwischen Frankreich und England in der Gruppe D am 5. Juli, das vor einer großen Publikumskulisse stattfinden dürfte.
St. Gallen: Kybunpark – das höchstgelegene Stadion des Turniers
Der Kybunpark (20.660 Plätze) in St. Gallen ist mit seiner Lage von 652 Meter über dem Meeresspiegel das höchstgelegene Profi-Stadion der Schweiz. Auch in St. Gallen legt man Wert auf Nachhaltigkeit: Die 2025 erweiterte Solaranlage auf dem Dach produziert 1.205 kWp – genug, um 288 Haushalte zu versorgen. Auch in St. Gallen kann im stadioneigenen Einkaufszentrum auf Shoppingtour gegangen werden. Während der EM werden hier drei Gruppenspiele ausgetragen, darunter Deutschlands Auftakt gegen Polen. Ansonsten trägt hier der FC St. Gallen seine Heimspiele aus.
Luzern: Swissporarena – Multifunktionale Arena



Die Swissporarena in Luzern mit ihren 16.000 Plätzen vereint modernste Technik mit atemberaubendem Bergblick. Sie befindet sich auf dem Grundstück des ehemaligen Stadions Allmend. Als erstes Schweizer Stadion besitzt es kombinierte Steh- und Sitzplätze in einem Block. Nicht nur das Fußballstadion für die Heimspiele des FC Luzern wurde im Rahmen des Neubaus von 2009 bis 2011 verwirklicht – auch zahlreiche weitere Einrichtungen entstanden in und um das Stadiongelände. Dazu zählen ein Hallenbad, eine Filiale der Migros, ein Migros-Fitnesscenter sowie eine Doppelturnhalle für den Universitätssport.
An der Südseite der Swissporarena wurden zudem zwei Wohnhochhäuser mit insgesamt 283 Mietwohnungen errichtet. Die beiden Türme mit den Namen „HochZwei“ erreichen Höhen von 77 und 88 Metern und gelten damit als die höchsten Wohngebäude der Innerschweiz. Die 6.862 m² große Photovoltaikanlage auf dem Dach kann 200 Haushalte mit Strom versorgen. In der Gruppenphase kommt hier u.a. Wales gegen die Niederlande zur Austragung.
Thun: Stockhorn Arena – Intimität vor Bergkulisse
Die Stockhorn Arena in Thun ist mit ihren 10.000 Plätzen das kleinste Stadion des Turniers. Eingebettet zwischen Thunersee und Berner Alpen bietet das 2011 erbaute Stadion mit seinem Kunstrasen. Drei Gruppenspiele der Gruppe A, darunter Island gegen Finnland, werden hierausgetragen. Namensgeber ist das von Thun aus gut sichtbare Stockhorn-Massiv.
Sion / Sitten: Stade de Tourbillon – Historisches Flair im Wallis

Das Stade de Tourbillon in Sion (14.283 Plätze) ist das älteste Stadion des Turniers. Es wurde 1968 erbaut und 1989 renoviert und liegt im Schatten der mittelalterlichen Tourbillon-Burg in der zweisprachigen Stadt Sion bzw. Sitten. Die Walliser Arena ist Heimspielstätte des FC Sion und überzeugt mit traditionellem Charme. Die Holzbänke der Osttribüne wurden erst 2012 durch Kunststoffsitze ersetzt. Bei der EM werden hier drei Gruppenspiele der Gruppe B ausgetragen, darunter Belgien gegen Italien.
Fazit: Ein Turnier der Kontraste
Die Schweiz setzt mit ihrer Stadienauswahl bewusst auf Vielfalt: Vom High-Tech-Giganten St. Jakob-Park bis zur beschaulichen Stockhorn Arena spiegeln die Spielorte die Vielseitigkeit der Schweiz wider. Mit insgesamt 175.000 Sitzplätzen und über 700.000 verfügbaren Tickets schafft die EM 2025 eine Balance zwischen Großevent und regionaler Verankerung. Die Kombination aus moderner Infrastruktur (alle Stadien sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln optimal erreichbar) und landschaftlicher Schönheit macht die Schweiz zu einem besonderen Austragungsort. Nicht zuletzt die Nachhaltigkeitskonzepte – Solaranlagen in Bern, Luzern und St. Gallen – unterstreichen die Schweizer Vorreiterrolle im ökologischen Stadionbau.
Mich persönlich beeindruckt die vielseitige Nutzung der Stadienbauten mit Shoppingcentern, Altenheimen, Schwimmbädern und anderen Nutzungsvarianten. Das macht die Schweizer Stadien zu lebendigen Orten, die an spielfreien Tagen trotzdem mit Leben gefüllt sind.
