Tag 21 im Blog-Adventskalender hier auf Tippspielcorner. Heute ist der vierte Advent. Jeden Tag bis Heilig Abend gibt es einen neuen Blogbeitrag mit einer Anekdote, einem Rekord oder einem Kuriosum aus der Welt des Fußballs. Immer um 0 Uhr erscheint der neue Artikel. Hier könnt ihr alle Adventskalenderbeiträge einsehen.
Denkt man an den Vatikan, dann ist Fußball wahrscheinlich das Letzte, an was man denkt. Vielmehr kommen einem Bilder des Petersdoms, dem Papst und seiner Schweizergarde in den Sinn. Der Vatikan ist mit seiner Fläche von 0,44 Quadratkilometern bekanntlich der kleinste souveräne Staat der Welt und hat weniger als 1000 Einwohner. Der Zwergstaat ist das spirituelle Zentrum der Katholischen Kirche und das Thema Fußball scheint hier besonders weit entfernt zu sein.
Aber auch hinter den Mauern des Vatikans wird Fußball gespielt und die Begeisterung für diesen Sport hat auch vor den Menschen im Vatikan nicht Halt gemacht.
Die Vatikanische Fußballliga ACDV
Trotz der winzigen Fläche des Vatikans kann der Zwergstaat sogar eine eigene Liga vorweisen: die Attività Calcistica Dipendenti Vaticani (ACDV). Sie wurde 1972 von Sergio Valcio gegründet um einen Beitrag zur körperlichen Fitness und zum Gemeinschaftsgefühl zu leisten. Da der Vatikan nicht aus mehreren Städten besteht, haben sich Teams anhand der verschiedenen Verwaltungsabteilungen gebildet. So bildet beispielsweise die Poststelle ein eigenes Team oder aber die Museumsmitarbeiter oder die Radiomitarbeiter.
Einen Fußballplatz gibt es im Vatikan allerdings nicht. Dafür ist schlicht und ergreifend kein Platz. Deshalb finden die Spiele im römischen Außenbezirk Primavalle statt, also auf italienischem Boden. Es ist also vermutlich die einzige Fußballliga, die komplett im Ausland ausgetragen wird.
Das Spielfeld hat aber nicht die normale Größe. Gespielt wird auf einem Kleinfeld mit fünf Spielern je Team. Dies ist nötig, da die Teams nicht groß genug für ganze Mannschaften sind. Die Liga wird nicht jedes Jahr ausgetragen und das Siegerteam qualifiziert sich für keine internationalen Wettbewerbe, was aufgrund der genannten Umstände ja auch gar nicht funktionieren würde.
Der Vatikanische Pokal – der Clericus Cup
Im Jahr 2007 kam neben der Liga noch ein Pokalwettbewerb hinzu: der Clericus Cup. Die Idee dazu hatte der Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Die Teams sind allerdings andere als in der Liga, denn diese setzen sich aus in Rom studierenden Klerikern und Ordensmännern zusammen und sind entsprechend international geprägt. Im Pokal gibt es außerdem abgewandelte Fußballregeln. So gibt es neben der bekannten gelben und roten Karte auch die blaue Karte, die für den betroffenen Spieler beine fünfminütige Zeitstrafe zur Folge hat.
Die Vatikanische „Nationalmannschaft“
Eine echte Nationalmannschaft, die diese Kriterien offiziell erfüllt, besitzt der Vatikan nicht. Die Fußballauswahl der Vatikanstadt besteht aus Mitgliedern der Schweizergarde, päpstlichen Räten und Museumswächtern. An Qualifikationsspielen zur Europa- und Weltmeisterschaft nimmt die Auswahl nicht teil, denn der Vatikan ist weder Mitglied der UEFA, noch der FIFA. Überhaupt besitzen nur wenige hundert Menschen die Staatsbürgerschaft des Vatikans und so gibt es nicht genügend Spieler, die lange genug entbehrlich sind. Somit war nicht einmal die Teilnahme an der inoffiziellen Weltmeisterschaft für Nicht-Mitglieder der FIFA (Viva World Cup) möglich.
Die Mannschaft des Vatikans tritt nicht regelmäßig gegen Teams anderer Nationen an, aber es gibt diese Begegnungen immer wieder durchaus. Gegner sind Teams anderer Nicht-FIFA-Mitglieder wie bspw. Monaco, wobei 2014 einmal ein Spiel gegen Borussia Mönchengladbach stattfand. Das Spiel endete 8:1 für die Borussen.
Frauenfußball im Vatikan
Anders als man vermuten könnte, gibt es im Vatikan sogar ein Frauenteam. Seit 2018 gibt es den FC Vatikan, der 2019 sein erstes Spiel austrug. Dabei handelt es sich um ein Frauen-Team, das aus Mitarbeiterinnen verschiedener Betriebe im Vatikan zusammengestellt wird.
Dieses Team sorgte sogar bereits für einen kleinen Eklat, als sie 2019 vom österreichischen Drittligisten FC Mariahilf zu einem Freundschaftsspiel eingeladen wurden. An den Eckpfosten wehte die Regenbogenfahne als Zeichen der Unterstützung der LGBTIQ-Bewegung. Beim Abspielen der vatikanischen Hymne zeigten die Spielerinnen auf Botschaften auf Bauch und Rücken. Es handelte sich um „Pro Choice“-Botschaften, also Apelle, dass Frauen das Recht haben, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Der vatikanische Botschafter in Österreich sagte das Spiel daraufhin aus Protest ab.
