Tag 8 im Blog-Adventskalender hier auf Tippspielcorner. Jeden Tag bis Heilig Abend gibt es einen neuen Blogbeitrag mit einer Anekdote, einem Rekord oder einem Kuriosum aus der Welt des Fußballs. Immer um 0 Uhr erscheint der neue Artikel. Hier könnt ihr alle Adventskalenderbeiträge einsehen.
Von Kaufland zu Erzgebirge Aue
Tommy Käßemodel war Jugendspieler bei Erzgebirge Aue, schaffte aber nicht den erhofften Sprung zur Profikarriere. Er begann zu studieren und jobbte bei Kaufland. Als Aue für ein Wintertrainingslager einen Zeugwart suchte, hatte Käßemodel Glück und gelang über diese Aushilfsstelle beruflich zurück zum Verein, für den er in seiner Jugend Fußball spielte. Damit war er plötzlich mitten im Innenleben eines Zweitligisten und täglich mit den Profis auf dem Trainingsplatz und bei den Spielen unterwegs.
Vom Zeugwart zum Fußballprofi
Der Traum vom Profifußballer schien für Käßemodel längst ausgeträumt, doch das Schicksal erfüllte ihm den Kindheitswunsch doch noch, wenn auch nur auf dem Papier. Denn Erzgebirge Aue hatte ein Problem: Die „Local Player“-Regelung der Bundesliga schreibt vor, dass jeder Club mindestens vier Spieler im Kader vorweisen müssen, die in der eigenen Jugend ausgebildet wurden. Aue fehlte aber ein ehemaliger Jugendspieler, um diese Quote zu erfüllen. Die Folge: Es schlug die Stunde für den damals 29-jährigen Käßemodel, der seine eigene Fußballjugend ja im Verein verbrachte. Um die Kaderliste zu füllen und die Vorgaben der Liga zu erüllen erhielt Käßemodel einen offiziellen Spielerpass, einen Profivertrag und wurde als Aktiver gemeldet. Formal gehörte er damit zum Profikader, auch wenn er sportlich nie ernsthaft für Einsätze eingeplant war. Trotzdem erhielt er alles, was ein echter Profi braucht: ein offizielles Spielertrikot und sogar Autogrammkarten.
Was besagt die „Local Player“-Regelung der Bundesliga?
Die Local-Player-Regelung der Bundesliga verpflichtet jeden Klub der 1. und 2. Bundesliga dazu, mindestens acht lokal ausgebildete Spieler als Lizenzspieler unter Vertrag zu haben. Davon müssen mindestens vier Spieler im Alter zwischen 15 und 21 Jahren drei Jahre lang im eigenen Klub ausgebildet worden sein („Club-trained“), die anderen vier können auch bei anderen deutschen Vereinen oder im Verbandsbereich des DFB ausgebildet worden sein („Association-trained“). Ziel der Regelung ist es, die Nachwuchsförderung zu stärken und jungen, lokal geförderten Spielern den Weg in den Profikader zu erleichtern. Ein tatsächlicher Einsatz dieser Spieler in Liga-Spielen ist jedoch nicht vorgeschrieben.
Kultstatus als schlechtester Spieler in FIFA 18
Bundesweite und sogar internationale Aufmerksamkeit bekam die Geschichte, als EA Sports den registrierten Aue-Kader in FIFA 18 übernahm – inklusive Tommy Käßemodel. Dort wurde er mit dem extrem niedrigen Stärkewert von 46 versehen und avancierte scherzhaft zu einem der „schlechtesten Profis“ im Spiel. Genau diese Diskrepanz zwischen seiner eigentlichen Rolle als Zeugwart und seinem Status im Spiel machte ihn unter Fans zur Kultfigur. Viele Spieler suchten gezielt nach ihm, stellten ihn in Karrieremodi auf oder erzählten seine Geschichte in sozialen Medien.
Folgen von Aues Trick 17
Der Trick von Erzgebirge Aue war raffiniert und genial. Ein großes Problem wurde einfach und pragmatisch gelöst und sorgte für einen kurzzeitigen Internethype. Doch auch darüber hinaus blieb der, wohlgemerkt legale, Trick nicht folgenlos. Die Liga änderte die Regeln und schaffte entsprechende Doppelfunktionen ab, damit dieses Schlupfloch keine Schule macht.

