Adventskalender (12): Das torreichste WM-Spiel der Geschichte: Die Hitzeschlacht von Lausanne

Tag 12 im Blog-Adventskalender hier auf Tippspielcorner. Jeden Tag bis Heilig Abend gibt es einen neuen Blogbeitrag mit einer Anekdote, einem Rekord oder einem Kuriosum aus der Welt des Fußballs. Immer um 0 Uhr erscheint der neue Artikel. Hier könnt ihr alle Adventskalenderbeiträge einsehen.


Bei der Weltmeisterschaft im Jahr 1954 denkt man in Deutschland direkt an eins: Das Wunder von Bern. Zum ersten Mal wurde die Bundesrepublik Deutschland Fußball-Weltmeister. Doch das Turnier bietet noch weitere historischen Momente. Einer davon ist die Viertelfinal-Begegnung zwischen Österreich und dem Gastgeber Schweiz.

Die Hitzeschlacht von Lausanne

Das Spiel fand im Stade Olympique de la Pontaise in Lausanne statt. In dieser Arena trug der FC Lausanne-Sport noch bis ins Jahr 2020 seine Heimspiele aus. Seitdem nutzt der Stadtrivale FC Stade Lausanne-Ouchy das Stadion als Heimstätte. Anders als der Name vermuten lässt, fanden hier aber nie olympische Wettkämpfe statt. Der Name rührt daher, dass sich in Lausanne der Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) befindet.

Als am 26. Juni 1954 die beiden Alpennachbarn hier gegeneinander antreten hat es um die 40 Grad im Schatten. Bedingungen, die sowohl Zuschauer, vor allem aber die Spieler an ihre Grenzen bringen sollten. Österreich ging als Favorit in das Viertelfinale.

Zu Beginn sah es nicht nach einem Erfolgserlebnis für die Österreicher aus. Der Torhüter Kurt Schmied erlitt bereits in der ersten Halbzeit einen Sonnenstich und taumelte wie in Trance zwischen den Torpfosten hin und her. Eine Auswechslung war nicht möglich, denn diese Möglichkeit führte die FIFA erst 1970 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko ein. So musste Schmied weiterhin das Tor hüten, was ihm aber kaum gelang. Die Schweiz konnte den Ball gleich drei Mal binnen acht Minuten hinter die Torlinie befördern und so stand es bereits nach 23 Minuten 3:0 für die Eidgenossen.

Mit Wasser und Schwämmen wurde versucht Schmied herunterzukühlen. Erfolgreich, wie es scheint, denn die Österreicher benötigten nur vier Minuten für den Ausgleich! Zur Halbzeit lag Österreich sogar schon mit 5:3 in Führung.

Unerreichter Torrekord

In der zweiten Halbzeit nahm das Spiel im Vergleich zum wilden ersten Durchgang etwas an Tempo heraus, blieb aber torreich. Österreichs Wagner schnürte zunächst mit seinem Treffer in der 53. Minute den Hattrick, ehe der Schweizer Hügi in der 60. Minute ebenfalls zum dritten Mal einnetzte. In der 76. Minute sorgte schließlich Erich Probst mit dem 7:5 für den endgültigen Schlusspunkt – insgesamt fielen damit zwölf Tore, bis heute ein unerreichter Rekord bei einer Weltmeisterschaft. Österreich verschoss in der zweiten Halbzeit sogar einen Elfmeter, sonst hätten es womöglich sogar 13 Tore werden können. Der Rekord könnte einer für die Ewigkeit sein: Zwölf Tore und zwei Hattricks in nur einem Spiel!

Physische Grenzen bei 40 Grad

Die Hitze forderte ihren Tribut nicht nur bei Torhüter Kurt Schmied. Auf Schweizer Seite brach der Verteidiger Roger Bocquet in der Schlussphase zusammen. Später stellte sich heraus, dass er an einem Gehirntumor litt, den er trotz Warnungen der Ärzte ignoriert hatte. Viele Spieler beider Teams waren nach Abpfiff völlig entkräftet, einige mussten behandelt werden – die „Hitzeschlacht“ war auch ein Beispiel dafür, wie weit Fußballer damals bereit waren, für ihr Land zu gehen.​

Bedeutung für Österreich

Für Österreich war der Sieg ein Meilenstein: Die Mannschaft zog ins Halbfinale ein und sicherte sich später mit einem Erfolg gegen Uruguay den dritten Platz – bis heute die beste WM-Platzierung in der Geschichte des österreichischen Fußballs. Gleichzeitig trug das kräfteraubende Viertelfinale dazu bei, dass Österreich im Halbfinale gegen Deutschland nicht mehr an die vorherigen Leistungen anknüpfen konnte und klar verlor.

Fazit:

Heute wird oft über die Belastungen heutiger Fußballprofis berichtet, die aus immer weiter aufgeblähten Spielplänen resultieren. Das ist durchaus ein Problem, das nicht ignoriert werden sollte. Trotzdem ist im Rückblick erschreckend, welche Leidenswege vergangene Profis teilweise gehen mussten, weil die Fußballregeln noch nicht so weit entwickelt waren wie heute. Selbst nach der Hitzeschlacht von Lausanne sollte es noch 16 Jahre dauern, bis Auswechslungen eingeführt wurden. Ein Teil des Spiels, der heutzutage nicht wegzudenken wäre. Das Thema Hitze bleibt aktuell. Bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Kanada, den USA und Mexiko werden teilweise ähnliche Temperaturen erwartet. Wir können nur hoffen, dass den Spielern ähnliche Wetterbedingungen erspart bleiben werden.

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