Anfield Stadium Tour Erfahrungsbericht

Im Sommer haben meine Freundin und ich unseren Urlaub in Großbritannien verbracht und dabei auch die Stadt Liverpool besichtigt. Als Fußballfan kommt einem da natürlich auch unweigerlich der FC Liverpool mit seinem berühmten Anfield Stadion in den Sinn. Da ich das Stadion gerne mal mit eigenen Augen sehen wollte schaute ich im Netz nach, ob man es besichtigen kann. Und tatsächlich: Der FC Liverpool informiert auf seiner Website über mehrere verschiedene Stadiontouren, die man buchen kann.

The LFC Stadium Tour

Wir haben uns für die klassische Stadion-Tour entschieden, die den Namen LFC Stadium Tour trägt. Es gibt auch eine Matchday Tour, die vielleicht Sinn macht, wenn man zu einem Spiel anreist und keine Zeit hat die Stadiontour an einem anderen Tag zu machen. Die klassische Tour würde ich aber auf jeden Fall empfehlen, sofern möglich, da bei der Matchday-Tour weniger zu sehen ist.

Was gibt es zu sehen?

Die Tour beginnt in einem der Treppenhäuser, die auch Besucher eines Liverpool-Spiels nutzen, um im Stadion nach oben zu gelangen. Ein Guide empfängt die Gruppe und gibt die nötigen Informationen, beantwortet Fragen und scherzt mit den Gästen. Zumindest in unserem Fall war der Guide auf jeden Fall fachkundig und selbst Fußballfan, der sich an Partien erinnerte, die jahrelang zurücklagen.

Nach den einleitenden Worten geht es über Rolltreppen nach oben. Das habe ich bislang in keinem anderen Stadion erlebt. Anschließend arbeitet man sich im Laufe der Tour von oben nach unten, bis man schließlich im Innern der Arena steht.

Das erste Mal frische Luft schnappen darf man bereits ganz oben auf der Haupttribüne, wo sonst auch die Kommentatoren verortet sind. So bekommt man einen guten Überblick über das Stadion. Wer auf den Bildschirm des Audioguides (dazu gleich mehr) wirft, kann das Gerät drehen und wenden und sieht auf dem Bildschirm genau den selben Blickwinkel wie in Realität, aber der Bildschirm zeigt das mit Menschen gefüllte Stadion und gibt so ein wenig ein Gefühl dafür, welche Stimmung hier bei einem Heimspiel des FC Liverpool herrschen muss.

Anschließend gelangt man in den Presseraum, in dem sich normalerweise Trainer und Spieler den Fragen der Journalisten stellen. Wer möchte, der darf sich selbst an dieses Pult setzen und sich dabei fotografieren lassen, was allerdings zusätzlich Geld kostet. Das Foto muss man immerhin nicht selbst schießen, sondern wird mit einer professionellen Kamera und Beleuchtung durch das Personal vor Ort durchgeführt wird. Ich erinnere mich nicht mehr an den Einzelpreis, wer allerdings vorab bucht, kann für 30 £ das „Champions Package“ mit vier unterschiedlichen Fotos und einem Magnet und einem Schlüsselanhänger hinzufügen. Auf diese Extras haben wir allerdings verzichtet, für wahre Liverpool-Fans ist das aber sicher ein Gedanke wert.

Die Tour führt weiter durch den VIP-Bereich und anschließend in die Räumlichkeiten für die Spieler. In der schlichten Auswärtskabine hängen Trikots unterschiedlicher berühmter Spieler unterschiedlicher Vereine. In der deutlich hübscheren und edleren Heimkabine – die im Fernsehen größer wirkt als in der Realität – hängen die Trikots des aktuellen Liverpool-Teams, so als ob die Mannschaft gleich eintreten und sich für das Spiel bereit machen würde.

Die Tour folgt dem Weg, den auch die Spieler gehen würden, wenn sie raus aufs Spielfeld gehen. Wir gehen durch den Spielertunnel, aber nicht ohne vorher ein Erinnerungsfoto unter dem berühmten „This is Anfield“-Schild zu schießen, das auch berührt werden darf. Dieses Foto kann jeder Besucher mit der eigenen Kamera schießen und kostet auch nichts extra.

Wir stehen nun unten direkt neben der Coaching Zone und sehen das Feld aus ähnlicher Perspektive wie das Trainerteam und die Auswechselspieler. Das Betreten des Rasens ist zwar verboten, aber das ist auch nicht nötig um die besondere Atmosphäre von Anfield zu spüren, die dieses Stadion auch im leeren Zustand versprüht. Bevor wir das Stadion durch ein Drehkreuz verlassen dürfen wir noch kurz auf der berühmten Tribüne „The Kop“ Platz nehmen.

Mehrsprachiger Audioguide

Im Eintrittspreis ist der Audioguide enthalten. In 13 Sprachen (darunter auch die Britische Gebärdensprache) kann man sich mit dem smartphoneähnlichen Gerät durch das Stadion führen lassen. Die deutsche Sprachausgabe ist in perfektem Deutsch umgesetzt.

Der Audioguide in Anfield ist interaktiv, informativ und mehrsprachig

Der Audioguide ist tatsächlich äußerst informativ und gibt teilweise nur gesprochene Informationen, oftmals aber auch Videoinhalte passend zum jeweiligen Ort im Stadion, an dem man sich gerade aufhält. Über den Touchscreen kann man das Maß an Informationen selbst bestimmen und muss nicht zwangsläufig alle Infos hören, die zur Verfügung stehen.

Die Tour wird offenbar regelmäßig gepflegt und aktualisiert. Der tragische Unfalltod von Diego Jota war bereits Teil der Inhalte der Tour.

Die Audioausgabe hört man über kabelgebundene In-Ear-Kopfhörer mit LFC-Aufdruck, die man nach Abschluss der Tour behalten darf.

Ebenfalls enthalten: Eintritt ins LFC Museum

Im Anschluss an eine Stadion-Tour könnt ihr auch das vereinseigene Museum ohne weitere Kosten besuchen. Der Einzeleintritt ins Museum ohne Tour schlägt mit 14 £ zu Buche. In diesem könnt ihr alle wichtigen gewonnenen Pokale bewundern, alte Trikots und natürlich wieder viel über die Geschichte des Vereins erfahren. Derzeit ist auch für eine begrenzte Zeit die Meisterschaftstrophäe für die gewonnene Premier League in der vergangenen Saison zu sehen.

Natürlich haben wir uns das Museum auch angesehen, haben da aber nicht mehr die ganze Fülle an Informationen aufgesogen. Fans des FC Liverpool können hier aber sicher nochmal Stunden verbringen. Sehenswert war es aber in jedem Fall die aus dem Fernsehen bekannten Trophäen der Champions League und der anderen wichtigen Wettbewerbe aus nächster Nähe sehen zu können.

Preis

Wir haben die Tickets für die Tour bereits am Tag zuvor im Internet gekauft und dafür 25 £ pro Person bezahlt. Man wählt dabei ein verfügbares Zeitfenster, das im Fünfminutentakt auswählbar ist. Da wir nicht genau einschätzen konnten, wie lange wir zum Stadion brauchen würden, habe ich ein Zeitfenster gebucht, das wir ohne Hektik schaffen würden. Am Ende waren wir eine Stunde zu früh am Stadion und sind erstmal ein bisschen rumgelaufen, haben den riesigen Fanshop besucht und alles erkundet, was es außerhalb des Stadions zu sehen gibt. Irgendwann sind wir dann aber einfach rein, rund 45 Minuten vor unserer gebuchten Tour. Das war überhaupt kein Problem, zumal die meisten Menschen eh vor Ort erst ohne Reservierung bezahlt haben. Aber gut zu wissen: Vor Ort kostet die Tour 27 £. Es lohnt sich also vorab im Internet zu buchen. Das geht im Zweifel auch noch direkt an Ort und Stelle.

Das einzige Extra, das ich bei der Reservierung noch mit dazubuchte, war ein Souvenier Guidebook für 6 £, das sich für mich auch durchaus gelohnt hat. In dem Buch in englischer Sprache sind viele Fotos und Informationen zum Stadion enthalten. Zu meiner Überraschung war noch ein LFC-Schlüsselband mit angehängtem Minikugelschreiber in der Tüte enthalten, versehen mit einem Preisschild. Ob das jetzt ein Gratisgimmick oder ein Versehen war, weiß ich nicht.

Anfahrt / Parken

Direkt neben dem Stadion gibt es den Parkplatz Stanley Park Car Park, den auch der FC Liverpool auf seiner Website nennt. Dieser steht an spielfreien Tagen kostenlos zur Verfügung. An Spieltagen ist dieser Parkplatz aber sicherlich nicht zu empfehlen.

Der Park-and-Ride-Parkplatz Headbolt Lane eignet sich gut für einen Besuch von Anfield

Wir haben uns allerdings gegen den Parkplatz entschieden. Ein britischer Bekannter aus London warnte uns aus Sicherheitsbedenken davor, mit dem Auto nach Liverpool hineinzufahren. In die City hätten wir uns das sowieso nicht angetan (diese besichtigten wir am Tag zuvor). Aber auch für den Stadionbesuch parkten wir lieber außerhalb. Wir waren zum Campingurlaub in Großbritannien und unser Auto war eindeutig als Urlauberauto zu erkennen. So wollten wir nicht stundenlang auf einem unbewachten von Touristen genutzten Parkplatz stehen.

Wir parkten daher unweit unseres Campingplatzes beim Park & Ride-Parkplatz Headbolt Lane. Der dortige Parkplatz ist – wie auch der Bahnhof – komplett neu angelegt, kameraüberwacht und obendrein für Bahnreisende kostenlos. Das ist man aus Deutschland gar nicht gewohnt. Achtung: Der Parkplatz ist zwar oberirdisch, hat aber eine Höhenbegrenzung. Mit dem Wohnmobil ist er daher nicht nutzbar.

Im Bahnhof waren wir unsicher, welches Ticket wir aus dem Automaten ziehen sollten. Wir nutzten daher den Schalter, um nachzufragen, welches Ticket das beste für uns ist. Auch hier wurden wir positiv überrascht: Wir konnten eine mehrfach nutzbare Chipkarte für 1 £ erwerben und darauf ein Tagesticket für 5 £ laden. Mit diesem konnten wir nicht nur nach Liverpool hinein und wieder rausfahren, sondern auch innerhalb Liverpools den ganzen Tag Busse und Bahnen fahren.

Liverpool im Campingurlaub besichtigen

Wir übernachteten auf dem Campingplatz Bridge Farm Campsite in Rainford, den wir sehr empfehlen können für einen Besuch in Liverpool. Der Platz liegt unmittelbar neben einem Bahnhof, aber mit dem Vorteil, dass nachts keine Züge fahren. Nach Liverpool fährt man von hier eine Station bis nach Headbolt Lane, wo sich o.g. Park & Ride-Parkplatz befindet. Von dort geht es ohne Umstieg direkt nach Liverpool. Allerdings kommt man nach 19 Uhr nur noch bis Headbolt Lane zurück und benötigt von dort ein Taxi zum Campingplatz.

Fazit

Die Tour durch Anfield war meine erste derartige Tour, die ich bislang gemacht habe. Somit habe ich keinen Vergleich zu anderen besuchbaren Stadien. Mir hat die Tour aber jedenfalls sehr gefallen und auch meine nicht besonders fußballaffine Freundin hatte Spaß. Der Preis von 25 £ geht finde ich in Ordnung. Wer professionelle Fotoaufnahmen dazubucht wird aber schnell viel mehr Geld los. Das ist in meinen Augen – wie bei solchen Geschichten üblich – überteuert.

Hinter die Kulissen des Stadions zu blicken ist interessant und in den Räumlichkeiten zu stehen, in denen sich sonst die Spieler aufhalten hat schon einen besonderen Reiz. Auch wenn ich bislang leider bei keinem Spiel in Anfield dabeisein konnte, so hat der Besuch im Stadion doch geschafft ein wenig das Gefühl zu vermitteln, das bei einem Heimspiel von Liverpool hier entsteht.

Über das Stadion an sich werde ich bei Gelegenheit noch einen eigenen Blogbeitrag verfassen. Denn die Geschichte von Anfield ist durchaus spannend. Das Stadion existiert bereits seit dem 19. Jahrhundert und war ursprünglich die Heimstätte des Stadtrivalen FC Everton. Es lohnt sich also, sich mit der Geschichte von Anfield etwas näher zu beschäftigen.


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