Die Buchreihe 111 Orte in (…) die man gesehen haben muss ist mir schon länger bekannt. Schon vor Jahren habe ich mir die entsprechende Ausgabe zu Stuttgart gekauft. Damals wohnte ich sogar noch unmittelbar in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Dieser etwas andere Reiseführer zeigte mir noch den ein oder anderen spannenden Ort, den ich noch nicht kannte. Und das, obwohl ich mein Leben lang schon in Stuttgart und seinem Speckgürtel lebe.
Beim Schlendern durch ein Buchgeschäft ist mir vor Kurzem ein neues Buch aus der Reihe ins Auge gestochen:
111 Fußball-Storys, die jeder kennen muss
Es ist nicht der erste Teil der Reihe, der kein Reiseführer ist (wobei das im klassischen Sinne sowieso auf keinen Teil der Reihe zutrifft). Ich fühlte mich direkt an meinen Blog-Adventskalender vom letzten Jahr erinnert. Wer in der letzten Adventszeit meine Reihe an Blogartikeln gelesen hat, der weiß, dass ich mich gerne mit Kuriositäten, Rekorden und Witzigem aus der Welt des Fußballs beschäftige.
Ob das Buch in dieselbe Kerbe schlägt, das verrate ich euch in dieser Rezension. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Emons Verlag, der mir das Buch auf meine Anfrage hin kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Auf den Inhalt meiner Rezension wurde aber natürlich kein Einfluss genommen und sie spiegelt meine ehrliche Meinung wieder.
Drama, Komödie, Tragödie
Diese drei Worte können den Fußball beschreiben. Das hält Autor Rüdiger Liedtke direkt im Vorwort fest und hat damit absolut recht. Wahrscheinlich jedem von uns fallen witzige, kuriose, beeindruckende oder einfach nur traurige oder gar katastrophale Fußballmomente ein. Jeder von uns würde aber andere Geschichten erzählen. Klar, manche davon würden sich wiederholen, andere würden nur einzelne von uns erzählen. Und so ist auch die Auswahl von Rüdiger Liedtke subjektiv, wie er festhält. Ich war beim Lesen sehr gespannt, welche Storys er ausgesucht hat und ob sich vielleicht die ein oder andere Geschichte mit meinem erwähnten Blog-Adventskalender überschneidet. Zu meiner Überraschung war es am Ende nur eine einzige Story, über die ich auch bereits geschrieben hatte: Robert Lewandowskis Rekordspiel mit vier Guinness-Rekorden.
Vielseitige Auswahl
Das Vorwort hat nicht zu viel versprochen: Die 111 Storys schlagen in der Tat in gänzlich unterschiedliche Richtungen ein. Nicht wenige der Geschichten waren mir schon bekannt. Langweilig wird es dadurch nicht. Auch bei den bekannten Geschichten ist es spannend, sich wieder mit diesen zu beschäftigen oder tiefer in die Hintergründe einzutauchen. So zum Beispiel Giovanni Trappatonis Wutrede als Trainer beim FC Bayern. Jeder, der alt genug ist, wird sich auch heute noch an diese legendäre Pressekonferenz erinnern. Trotzdem lesen sich auch Geschichten wie diese spannend und kurzweilig.
Natürlich sind nicht alle Geschichten so witzig wie diese. Andrés Escobar ist ein Beispiel für das krasse Gegenteil. Sein wahrscheinlich größter sportlicher Fehlschlag hatte für ihn persönlich die größten Folgen, die die sportlichen Folgen für sein Team belanglos werden ließen. Er bezahlte sein Eigentor bei der Weltmeisterschaft 1994 mit dem Leben.
Nicht jede der Storys ist einfach eine geschichtliche Wiedergabe oder Beschreibung eines Ereignisses. Immer wieder legt Rüdiger Liedtke den Finger in eine Wunde und hält seine persönliche Meinung nicht zurück. So bekommt FIFA-Präsident Infantino hochaktuell sein Fett weg für seinen Kuschelkurs mit US-Präsident Donald Trump und auch mit den Wettanbietern geht Liedtke hart ins Gericht, sorgt ihr Geschäftsmodell doch auch für viel Leid.
Gerade diese Storys hatte ich so nicht unbedingt erwartet. Sie haben für meinen Geschmack weniger „Story“-Charakter, sondern sind vielmehr subjektive Meinungsäußerungen. Inhaltlich kann ich mit diesen absolut mitgehen und sie stören den Lesespaß auch nicht. Ich empfinde sie nicht als unangebracht, aber unerwartet. Aber ich muss sowieso zugeben: Ich hätte meine Mühe gehabt, 111 Storys auszusuchen und finde es durchaus legitim, die Reichweite des Buches auch für berechtigte Kritik am Fußball zu nutzen, da wo sie angebracht ist.
Zu jeder Geschichte gibt es ein kurzes „Nachspiel“: Während auf der linken Seite der Doppelseite die eigentliche Story steht, ist auf der rechten Seite ein illustrierendes Foto und ein kurzer mehrzeiliger Text mit den Auswirkungen oder einfach weiteren Hintergründen der Geschichte. Im Falle des Artikels über den „Kölner Keller“ ist das beispielsweise die Info, dass dieser im kommenden Jahr nach Frankfurt umziehen wird.
Fazit
Die Lektüre der 111 von Rüdiger Liedtke zusammengetragenen Storys war eine wirkliche Freude. Wie man es von der Reihe kennt, sind die einzelnen Geschichten jeweils eine Seite lang und in sich abgeschlossen. So kann man immer wieder zwischendurch mal in kleinen Portionen weiterlesen. Ich konnte Geschichten aus der Welt des Fußballs kennenlernen, die mir bislang unbekannt waren. Andere kannte ich bereits, aber ich konnte neue Aspekte und Hintergründe erfahren. Genauso, wie es im Vorwort versprochen wurde.
Die Storys sind alles in allem gut gewählt, auch wenn ich nichts gegen mehr unbekannte Storys gehabt hätte. Aber vielleicht ist das ja auch eine Idee für eine Fortsetzung? „111 Fußball-Storys, die kaum jemand kennt“ könnte diese heißen und würde ich sofort kaufen.
Fußballfans machen mit dem vorliegenden Buch aber nichts falsch und können beherzt zugreifen. Für sich selbst oder als Geschenk für andere Fans. Das Buch ist wie der Fußball selbst: Vielseitig, emotional und kurzweilig.
Taschenbuch
240 Seiten
ISBN 978-3-7408-2885-1
Preis: 18,95 € [DE] 19,50 € [AT]
Erscheinungsdatum: 28. Mai 2026
Link zum Buch auf der Verlagswebsite
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Transparenzhinweis: Das Buch wurde mir auf meine Anfrage hin vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.
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