Strategisches Tippen

Im ersten Beitrag dieses Blogs befasste ich mich mit dem Thema der Punkteverteilung. Heute schreibe ich über Strategieverbote, die in vielen Tippspielen Einsatz finden. Hierzu bietet Kicktipp, als (technischer) Anbieter der Tippspiele, jedem Spielleiter zwei Optionen an, die einzeln, aber auch gemeinsam aktiviert werden können (oder eben auch gar nicht):

  1. Strategieverbot Tendenz:
    Ist diese Option aktiviert, so dürfen und können maximal zwei Drittel der Spiele eines Spieltags (sofern der Spieltag mindestens neun Spiele umfasst, was bei den meisten Profiligen der Fall ist) die selbe Tendenz haben, d.h. es ist also nicht möglich nur Heimsiege oder nur Unentschieden zu tippen. Hintergrund ist der Heimvorteil, der dafür sorgt, dass es mehr Heim- als Auswärtssiege gibt und Tipper sich einen Vorteil versprechen, wenn sie ohne Nachdenken immer auf die Heimmannschaft tippen.
  2.  Strategieverbot Ergebnis:
    Auch diese Option greift erst bei Spieltagen mit mindestens neun Spielen und auch hier gilt die Zwei-Drittel-Quote. In diesem Fall können nicht alle Spiele mit dem selben Ergebnis, also bspw. 2:1 getippt werden, wobei hierbei nur das Ergebnis, nicht die Tendenz eine Rolle spielt. 2:1 ist in diesem Fall also gleichbedeutend mit 1:2. Es gibt Tipper, die ausschließlich dieses Ergebnis tippen, weil sie sich einen statistischen Vorteil versprechen.

Auf Tippspielcorner.de sind beide Optionen deaktiviert, was übrigens auch die Standardkonfiguration von Kicktipp ist. Die meisten Tipprunden verzichten auf diese zusätzliche Spielregeln, aber eine absolute Ausnahme sind sie auch nicht. Ich persönlich lehne beide Optionen auch ab und finde wichtiger, den Vorteil, der durch das strategische Tippen entsteht, durch eine faire Punktevergabe zu reduzieren, zumindest wenn es um das Ergebnis geht. Heimsiege hingegen werden in meinen Tippspielen genauso bepunktet wie richtig getippte Auswärtssiege.
Letztendlich geht es beim Tippen doch darum, möglichst genau und präzise den Ausgang der Spiele zu tippen. Die einen verlassen sich dabei auf ihren Fußballsachverstand und verfolgen ständig die Berichterstattung und beachten Verletzungen und Sperren. Andere gehen die Sache eher logisch rational an und versuchen mathematische und statistische Aspekte zu berücksichtigen. In letzterem Fall ist einfach die Folge, dass die Tipps entsprechend aussehen und wenn diese am Ende sogar zu einem der vorderen Plätze des Tippspiels führen, dann zeigt es ja, dass es die richtige Strategie war. Wenn man an einem Tippspiel teilnimmt, hat man ja dabei auch den Gedanken, dieses gewinnen zu wollen. Jeder hat dabei die gleichen Bedingungen und daher sind solche Strategien in meinen Augen ein berechtigtes Mittel. Am Ende gewinnt der Tipper, der am besten getippt hat, egal ob das nun dem Bauchgefühl, Sachverstand oder der Statistik zuzuschreiben ist. Strategieverbote schränken hingegen den freien Wettbewerb ein und machen womöglich sogar unmöglich, alle Spiele richtig zu tippen. In der Bundesliga war dies zuletzt im April dieses Jahres der Fall, am 30. Spieltag der Saison 2015/16. Von neun Partien des Spieltags konnten acht für die Heimmannschaft entschieden werden. Konkret heißt das, dass jeder Spieler mindestens zwei Spiele zwangsläufig falsch getippt hätte. Klar, man kann trotzdem sagen, dass das egal sei, weil trotzdem jeder ja die gleichen Chancen und Bedingungen hat, aber es ist auch nicht Sinn der Sache abzuwägen, bei welchem Spiel man lieber von seiner Vermutung abweichen muss.

Wie sieht es mit dem Ergebnis-Strategieverbot aus? Dabei handelt es sich womöglich um die effektivere der beiden Strategien. Dabei besteht die Strategie, wenn sie angewandt wird, im Normalfall aus lauter 2:1-Tipps, was viele Tipper für das häufigste Ergebnis halten. Tatsächlich ist ein 1:1 aber das häufigste Ergebnis und übertrumpft das 2:1 um ein paar Prozentpunkte. Ist es deshalb sinnvoller immer 1:1 unentschieden zu tippen? Klare Antwort: Nein! Denn Unentschieden kommen nicht so häufig vor wie Siege und Niederlagen, jedoch enden die meisten Unentschieden torlos oder 1:1. Bei Siegen bzw. Niederlagen verteilt sich der Anteil aber auf viel mehr unterschiedliche Ergebnisse. Insofern ist das 2:1 sicher die bessere Wahl, da man dann ja auch bei allen anderen Ergebnissen der richtigen Tendenz noch punktet.

In der Winterpause werde ich in diesem Blog unterschiedliche Tippstrategien dem Praxistest unterziehen und anhang der dann beendeten Vorrunde die Effektivität bestimmen und vergleichen.

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